CDU Thüringen lehnt generellen Wohnort-Arrest ab

Herrgott: „Vorschlag der Landesregierung ist medizinisch, politisch und gesellschaftlich unsinnig“

„Wir begrüßen die Verlängerung des Lockdowns, lehnen aber den vorgeschlagenen Wohnort-Arrest der Landesregierung für die gesamte Thüringer Bevölkerung entschieden ab. Er ist in medizinischer, politischer und gesellschaftlicher Hinsicht unsinnig.“ Das sagt der Generalsekretär der CDU-Thüringen, Christian Herrgott, mit Blick auf den Vorschlag der Landesregierung, den Aktionsradius der Thüringer auf höchstens 15 Kilometer Entfernung zum eigenen Wohnort zu beschränken. Wer den Bürgern individuelle Spaziergänge und Bewegung in der freien Natur verbieten wolle, verspiele das Vertrauen der Bevölkerung in die Corona-Maßnahmen. „Es suggeriert Entschlossenheit im Kampf gegen das Virus an der falschen Stelle und vor allem an den Grundbedürfnissen der Bürger vorbei“, so Herrgott weiter. Viele Thüringer sitzen laut Herrgott seit Wochen in Kurzarbeit oder als zwangsgeschlossene Selbstständige weitgehend zuhause, oft mit Kindern auf wenigen Quadratmetern Wohnfläche. Trotz des bisherigen Zickzack-Kurses der Landesregierung in Sachen Corona-Eindämmung und einigen zweifelhaften verordneten Maßnahmen sei die Zustimmung zum Lockdown auch in Thüringen weiterhin hoch. Bislang habe es jedoch geheißen, dass die Ansteckungsgefahr vor allem in schlecht gelüfteten, geschlossenen Räumen besonders hoch sei. Analog hierzu wurde die sächsische 15-Kilometer-Regelung mit der Notwendigkeit begründet, Einkaufstourismus u.a. nach Thüringen zu unterbinden, dessen Ziel ja naturgemäß geschlossene Gebäuden darstellen. „Die Ansteckungsgefahr im Wintertourismus ist demgegenüber bei Einhaltung der geltenden Regelungen zu vernachlässigen. Selbst auf einem gut besuchten Rodelhang werden sich einander fremde Menschen über einen längeren Zeitraum so gut wie nicht auf engstem Raum begegnen“, sagt Herrgott. „Zahlreiche Studien belegen die geringe Ansteckungsgefahr im Freien - eine Gefahr, die durch die kalte und aktuell feuchte Witterung noch zusätzlich gemindert wird.“

Die Landesregierung dürfe nicht wegen eines räumlich auf wenige HotSpots begrenzten Problems die gesamte Thüringer Bevölkerung in einen Wohnort-Arrest schicken. Viele Orte im Thüringer Wald waren selbst an Neujahr weit von einem Massenansturm an Tagesgästen entfernt. „Wer deshalb nun den medizinisch nicht zu beanstandenden Wintertourismus wegen einiger überfüllter Skihänge im Mittleren Thüringer Wald komplett verbieten will, macht es sich politisch zu einfach“, kritisiert Herrgott. Erwägenswert wäre etwa ein Maskenpflicht auf den Parkplätzen. Auch könnte das Spuren zusätzlicher Loipen das Besucheraufkommen im Thüringer Wald spürbar entzerren. Nicht vernachlässigen sollte die Landesregierung zudem die alte immunologische Weisheit, dass Sport im Freien das Immunsystem nachhaltig stärkt.

„Hinzu kommt, dass der geforderte Wohnort-Arrest zur tatsächlichen Überfüllung etwa des Erfurter Steigers, des Ettersbergs bei Weimar oder die Kernberge bei Jena führen wird“, warnt Herrgott. Damit würde einem Infektionsszenario weit eher Vorschub geleistet, das der Wohnort-Arrest für die 2,1 Millionen Thüringer ja gerade verhindern will.